ICE L – Details und internationale Perspektiven

🚄 ICE L – Details und internationale Perspektiven

Mit dem neuen ICE L bringt die Deutsche Bahn ab Dezember 2025 eine neue Zuggeneration auf die Schiene. Der Zug steht für barrierefreies Reisen, modernes Design und mehr Komfort im Fernverkehr. Das „L“ steht für Low Floor – und beschreibt den nahezu stufenlosen Einstieg, der das Einsteigen mit Gepäck, Rollstuhl oder Kinderwagen deutlich erleichtert. Entwickelt wurde das Fahrzeug vom spanischen Hersteller Talgo S.A., basierend auf der Plattform „Talgo 230“.

ICE L SteuerwagenLV 12.23
ICE L Steuerwagen Seite 12.23

Der ICE L unterscheidet sich grundlegend von bisherigen ICE-Baureihen: Er ist kein Triebzug, sondern ein lokbespannter Wendezug. Diese Bauweise ist wartungsfreundlicher und flexibel einsetzbar. Angetrieben wird der Zug von einer Siemens Vectron MS-Lokomotive, die für den internationalen Einsatz ausgelegt ist. Dadurch kann der ICE L künftig auch grenzüberschreitend verkehren – etwa nach Amsterdam, Wien oder Kopenhagen.

Hinweis zum Zulassungsverfahren: Bevor der ICE L auf internationalen Strecken verkehren darf, müssen alle nationalen Bahnbehörden in den Nachbarländern eigene Zulassungen erteilen. Diese Verfahren prüfen unter anderem Signaltechnik, Stromsysteme und Sicherheitsstandards. Dadurch kann es noch etwas dauern, bis der ICE L beispielsweise nach Amsterdam oder Kopenhagen rollen darf.

Wichtigste Merkmale für Fahrgäste

Der ICE L ist vor allem auf den Komfort und die Zugänglichkeit der Reisenden ausgelegt. Viele Details wurden neu gedacht, um das Bahnfahren für alle einfacher zu machen.

  • Barrierefreier Einstieg: Niederflurtechnik mit Einstiegshöhe von 760 mm – ideal für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Gepäck.
  • 562 Sitzplätze: Davon 85 in der 1. Klasse und 477 in der 2. Klasse, inklusive Familienbereich und Kleinkindabteil.
  • Modernes Innenraumkonzept: Neue Sitze, angenehme Beleuchtung, ruhige Fahratmosphäre und mehr Beinfreiheit.
  • Großer Familienbereich: 46 Sitzplätze plus 9 im Kleinkind-Abteil – damit die ganze Familie bequem reisen kann.
  • Besserer Mobilfunkempfang: Mobilfunkdurchlässige Fenster sorgen für stabilere Verbindungen.
  • Lokbespanntes System: Zuglänge ca. 236 m, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h.

Geplanter Einsatz in Deutschland

Der ICE L wird ab Ende 2025 schrittweise in das deutsche Fernverkehrsnetz integriert. Zunächst ersetzt er ältere Intercity-Züge und bietet auf bekannten Routen ein neues Reiseerlebnis.

Ab Datum Strecke Zugnummern Besonderheiten
14. Dezember 2025 Berlin Hbf – Köln Hbf ICE 1548/1055 bzw. ICE 1549 Erster regulärer Einsatz, ersetzt Intercity-Züge.
1. Mai 2026 (Berlin –) Hamburg – Westerland (Sylt) ICE 2074/2075 bzw. ICE 2310/2311/2374/2375 und ICE 872 Erste touristische Verbindung mit ICE L-Zügen.
11. Juli 2026 Frankfurt am Main / Köln – Westerland (Sylt) ICE 2374/2375 / ICE 2310/2311 Ersetzt IC Verbindung.
11. Juli 2026 Dortmund – Oberstdorf ICE 2012/2013 Ersetzt IC Verbindung.

Internationale Perspektive

Auch international ist der ICE L ein zentraler Baustein der Bahnstrategie. Nach Abschluss der Zulassungsverfahren soll der Zug auf mehreren grenzüberschreitenden Linien eingesetzt werden. Geplant sind regelmäßige Verbindungen nach Amsterdam, Wien und Kopenhagen. Dank der eingesetzten Vectron-Lokomotive ist der Zug für den Mehrsystembetrieb ausgelegt und somit europaweit einsetzbar.

Der ICE L erfüllt bereits viele europäische Standards, dennoch ist der internationale Einsatz an umfangreiche Zulassungsverfahren gebunden. Jedes Land prüft den Zug einzeln – insbesondere die Kompatibilität mit unterschiedlichen Stromsystemen, Zugsicherungstechniken und Bremsvorschriften. Erst wenn diese Verfahren abgeschlossen sind, darf der Zug grenzüberschreitend verkehren. Die Deutsche Bahn und Talgo rechnen damit, dass die internationalen Einsätze schrittweise folgen wird.

Design und Komfort

Das Interieur des ICE L wurde komplett neu konzipiert. Klare Linien, helle Farben und ein ausgewogenes Beleuchtungskonzept sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Die Sitze stammen von der deutschen Designschmiede Neomind und wurden in enger Abstimmung mit Fahrgastverbänden entwickelt. Ziel war es, längere Fahrten komfortabler zu gestalten, ohne die Platzverhältnisse zu verschlechtern.

Außerdem verfügt jeder Sitz über Steckdosen, USB-Ports und Ablagen für mobile Geräte. Auch die Bordgastronomie wurde überarbeitet: Statt eines klassischen Bordrestaurants gibt es beim ICE L einen großzügigen Bistrobereich mit Steh- und Sitzmöglichkeiten.

Fazit

Der ICE L ist mehr als nur ein weiterer Zug – er markiert den Beginn einer neuen Ära im deutschen Fernverkehr. Mit Fokus auf Barrierefreiheit, Komfort und Design schafft er eine Verbindung zwischen Effizienz und Reisefreude. Bis der ICE L aber regulär auf internationalen Routen eingesetzt wird, kann es noch eine Weile dauern.

➡️ Mehr Infos über internationale Fernzüge im Zuglexikon

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen